EU flag-Erasmus plus min GroesseReisebericht: Unsere Hospitationswoche in Danzig

(vom 30. September bis zum 04. Oktober 2019)

In der Woche vom Montag, 30 September, bis Freitag, 04. Oktober 2019 verbrachten wir, Maria Freitag, Britta Kallius und Celia Ndzala-Ballesteros, einige sehr interessante und zugleich lehrreiche Tage in der polnischen Hafenstadt Danzig. Unser Ziel war das Liceum Ogólnoksztalace, in dem Schüler ab 16 Jahren unterrichtet werden. Zustande gekommen ist dieser Besuch durch den Kontakt mit der stellvertretenden Schulleiterin Iwona Bury, die Celia Ndzala-Ballesteros vor zwei Jahren bei einem weiteren Erasmus+-Projekt in Bournemouth kennengelernt hatte. Eine ganze Woche lang hospitierten wir in ganz verschiedenen Unterrichtsfächern und hatten reichlich Gelegenheit, uns sowohl mit den Kollegen wie auch mit der Schulleiterin Ewa Szymska über pädadogische und fachdidaktische Fragen auszutauschen. Es waren wohl vor allem diese Gespräche, die den Aufenthalt so interessant machten, denn hierbei hatten wir die Möglichkeit, reichlich Fragen zu stellen – sowohl über den Unterricht wie auch über das Schulsystem oder zu guter Letzt auch über die Stadt und deren doch sehr beeindruckende Geschichte, die wohl auch in der Geschichte des Landes einzig ist.

 

Der Montag begann zunächst mit einer herzlichen Begrüßung und einem langen und ausführlichen Gespräch mit Iwona Bury. Iwona Bury unterrichtet selbst Deutsch als Fremdsprache, was unsere Kommunikation erheblich vereinfachte. Wir tauschten uns hier insbesondere über fachdidaktische Fragen des fremdsprachlichen Unterrichts aus. Außerdem erfuhren wir, dass das Unterrichtsfach Deutsch als zweite Fremdsprache (nach Englisch) mittlerweile nicht mehr ganz so gefragt ist. Wesentlich beliebter ist Spanisch und hier hat die Schule auch einen besonderen Schwerpunkt gesetzt. Wir erfuhren, dass die Schüler zum Teil 18 Stunden Spanisch in der Woche haben und dass es nach der Spracherwerbsphase recht zügig mit der Vermittlung landeskundlicher Inhalte weitergeht. Hierbei gibt es zwei Schwerpunkte: Geschichte und Geographie. Insbesondere der Geschichtskurs verfügt über ein hohes Niveau, hiervon konnten wir uns im Laufe der Woche bei den Hospitationen überzeugen. Der Unterricht wird von Muttersprachlern erteilt und es werden detaillierte Fakten zu unterschiedlichen Epochen der spanischen Geschichte in der Zielsprache erarbeitet. Dieses hohe Niveau überraschte uns!

 

Nach dem ausführlichen Gespräch mit Iwona Bury am Montagvormittag, lernten wir bei einem Rundgang durch das Gebäude die Schule weiter kennen. Wir staunten darüber, dass es neben den Unterrichtsräumen, mit Computern ausgestattete Informatikräumen, dem Lehrerzimmer und der Sporthalle auch noch ein eigenes Schwimmbad gab! Wir hatten im Laufe der Woche auch die Gelegenheit, einmal beim Schwimmunterricht zu hospitieren. Obwohl wir alle fachfremd in Bezug auf Sport sind, war es dennoch interessant, denn hier fiel vor allem der gute, fast kameradschaftliche Umgang der drei Lehrer mit den 15 Schülerinnen und Schülern des Schwimmunterrichts auf. Außerdem fiel uns auf, dass nicht nur Schwimmanfänger unterrichtet werden, sondern auch Fortgeschrittene. Diese werden dann mit speziellen Techniken vertraut gemacht, um ihre Fähigkeiten zu verbessern. Eine aufgeschlossene, fröhliche Sportlehrerin beantwortete uns gern alle unsere Fragen. Die Kommunikationssprache hierbei war eine Mischung aus Spanisch und Englisch.

 

Die Schulleiterin lud uns dann zu einem weiteren ausführlichen Gespräch bei Kaffee, Tee und Gebäck in das Konferenzzimmer ein. Von ihr erfuhren wir mehr über die Organisation der Schule, doch auch hier standen fachdidaktische Fragen und Probleme immer wieder im Mittelpunkt. Auch in Polen, so erfuhren wir hier und davon konnten wir uns später im Laufe der Woche auch immer wieder überzeugen, ist der Gebrauch des Handys während des Unterrichts immer wieder ein Problem. Allerdings nimmt man den Schülern ihr Handy nicht ab, man verweist lediglich darauf, das Handy im Unterricht nicht zu benutzen – falls es nicht für den Unterricht benötigt wird. Dies konnten wir gegen Ende der Woche im fortgeschrittenen Spanischunterricht erleben. Für eine Aufgabe im Zusammenhang mit der Geschichte Spaniens wurden die Schüler ausdrücklich dazu aufgefordert, zu einem konkreten Thema mit ihren Handys zu recherchieren.

 

In den nächsten Tagen hospitierten wir in den Fächern Deutsch als Fremdsprache, Spanisch (auf sehr unterschiedlichen Niveaustufen), Englisch, Mathematik, Informatik und Schwimmen (als einem Bestandteil des Sportunterrichts) und lernten dabei unterschiedliche Klassen und auch Kurse kennen. Die Schüler wirkten im Allgemeinen diszipliniert und in der Regel auch nicht desinteressiert, wobei hier selbstverständlich individuelle Abweichungen festzustellen waren. Pünktlichkeit und respektvolles Verhalten gegenüber den Lehrern waren eine Selbstverständlichkeit. So konnten wir beispielsweise beobachten, dass die Schüler zu Beginn des Unterrichts jedesmal aufstanden und den Lehrer bzw. die Lehrerin begrüßten.

Toilettengänge der Schüler waren jederzeit möglich, hierzu standen die Schüler möglichst leise auf und verließen den Raum, ohne vorher den Lehrer bzw. die Lehrerin fragen zu müssen. Auch war es den Schülern erlaubt, Wasser oder auch andere Getränke mit in den Unterricht zu nehmen. Zwischen den 45 Minuten dauernden Unterrichtsstunden gab es jeweils 10 Minuten Pause.

Meist handelte es sich um Frontalunterricht, bei dem wir hospitieren durften, doch in den Fremdsprachen wechselte dieser auch mit Partner- oder Kleingruppenarbeit. Besonders interessant war für uns die Spanisch-Anfänger-Stunde, denn hier wurden wir aktiv in den Unterricht einbezogen. Jeder der etwas über zwanzig Schüler bzw. Schülerinnen hatte eine Frage für uns vorbereitet, die wir dann entsprechend auf Spanisch beantworteten. Hierbei wurden wir sowohl zu unserer eigenen Person befragt wie auch zu unserer Schule und den Städten Paderborn und Büren (z. B. wie viele Schüler derzeit an unserer Schule seien oder wie groß die Stadt Büren sei). Im Anschluss an diese Stunde tauschten die Spanisch-Fachlehrerin und Celia Ndzala-Ballesteros ihre Kontaktdaten aus, um eventuell einen Austausch von Schüler zu Schüler auf Spanisch ins Leben zu rufen.

 

Auch der Informatikunterricht gestaltete sich lebhaft, da die Schüler zwar einerseits alle an einem PC saßen und Aufgaben erarbeiteten, andererseits jedoch auch immer wieder Fragen hatten, die von der Fachlehrerin mit großem Enthusiasmus beantwortet wurden.

Der Informatikraum war mit der entsprechenden Anzahl von Computern ausgestattet, die sich in U-Form um den etwas nach vorne verlagerten Lehrerarbeitstisch befanden. Darüber hinaus war der Raum auch farblich ansprechend gestaltet und es befanden sich – wie auch in den anderen Unterrichtsräumen – einige Pflanzen im Raum. Außerdem entdeckten wir in jeden Raum das polnische Wappen und ein Holzkreuz. Die anderen Klassenräume waren eher schlicht eingerichtet, abgesehen von den Pflanzen und dem jeweiligen Fach entsprechenden Postern und Schaubildern (z. B. mathematische Formeln im Klassenraum für Mathematik). Dies bedeutet, dass jeweils zwei Schüler auf einfachen Holzstühlen an einem Tisch saßen, in der Regel befanden sich drei Tische in einer Reihe. Als Arbeitsmittel wurde zumeist die Tafel zur Veranschaulichung genutzt, obwohl jeder Raum mit einem PC und einem Beamer ausgestattet war.

 

Insgesamt erlebten wir bei unseren Hospitationen eine freundliche, schülerorientierte Atmosphäre - trotz des oft vorherrschenden Frontalunterrichts – und sicher hat jede von uns nun neue Anregungen für den eigenen Unterricht mitgenommen.

 

(Autorinnen: Maria Freitag, Britta Kallius und Celia Ndzala-Ballesteros)

 

Bilder zum Reisebericht:

2019-09-30 18-51-43-IMG 9991-

2019-10-01 10-25-03-IMG 0012-

2019-10-01 10-26-09-IMG 0019-

2019-10-01 10-37-00-IMG_0030-

2019-10-03 12-35-28-IMG_0198-

2019-10-03 12-36-03-IMG_0201-

2019-10-03 12-38-07-IMG_0207-