Gelebte Inklusion – Projekt „Einkaufen mit Handicap in Paderborn“


Kurz vor Ladenschluss noch einmal schnell eine Packung Nudeln für das Abendessen besorgen, mal eben zum Supermarkt fahren und in wenigen Minuten ungehindert den Einkauf erledigen. Was für nichtbehinderte Menschen selbstverständlich ist, kann für Menschen mit körperlicher Behinderung oftmals ein großes Hindernis bedeuten. Treppenstufen und fehlende Rampen oder Aufzüge, schmale Gänge, hohe Warenträger und gestresstes oder unsensibles Personal sind nur einige Beispiele, die behinderten Menschen oder anders gehandicapten Personen, den täglichen Einkauf unnötig erschweren können.

Das Projekt

Die Besonderheiten bei der Bedienung dieser Käufergruppe, gerade auch im Hinblick auf die wachsende Anzahl der älteren Menschen in unserer Gesellschaft, ist nicht nur im beruflichen Alltag unserer angehenden Einzelhandelskaufleute von besonderer Bedeutung, sondern auch fest im Lehrplan verankerter Unterichtsinhalt. Schon vor fast zehn Jahren entstand die Idee, sich im Rahmen eines besonderen Projekts einer Unterstufenklasse der Einzelhandelskaufleute des LEBKs, genauer mit der Thematik auseinanderzusetzen und direkt in den Austausch mit betroffenen Personen zu treten. Mit diesem Plan wurde Kontakt zu der Liboriusschle in Paderborn (LWL- Förderschule mit Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung) aufgenommen und seither in jedem Jahr mit einer Projektgruppe der Abschlussstufe der Liboriusschule zusammen das Projekt „Einkaufen mit Handicap in Paderborn“ durchgeführt. Die Schülerinnen und Schüler beider Schulen setzten sich immer neue Schwerpunkte, zu denen gemeinsam über ein ganzes Schuljahr hinweg gearbeitet wird.


Die Beobachtungen der letzten Jahre im Rahmen des Projekts „Einkaufen mit Handicap“ haben gezeigt, so sind sich die betreuenden Kolleginnen Michaela Heidenreich und Katrin Köster einig, dass sich beim Paderborner Einzelhandel vieles zum Positiven verändert hat. Der überwiegende Teil der Geschäfte ist auf Menschen mit Handicap eingestellt, beispielsweise sind Rampen zur Überwindung von Treppenstufen angebracht oder schwere Eingangstüren oft mit elektronischen Öffnern versehen worden. Eine Entwicklung, die sicherlich auch durch die wiederholten Rückmeldungen der Projektteilnehmer an die Betriebe vorangetrieben wurde. Was sich jedoch weiterhin offenkundig zeigt, ist Zurückhaltung oder sogar spürbare Ablehnung gegenüber gehandicapten Personen durch das Verkaufspersonal. Eigene Erfahrungen unserer Auszubildenden zeigen, dass Betriebe ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wenige oder sogar gar keine Handlungsanweisungen für den Umgang mit gehandicapten Personen geben.

Projektbeispiel aus dem Schuljahr 2015/16

Im Schuljahr 2015/16 stand daher die Beobachtung des Verkaufsverhaltens der Mitarbeiter verschiedener Einzelhandelsunternehmen im Vordergrung. Dabei wurden beispielsweise die folgenden Fragen geklärt: Wie werde ich als gehandicapter Kunde von Mitarbeitern im Einzelhandel wahrgenommen und bedient? Und: Wie möchte ich als Mensch mit Behinderung überhaupt bedient und wahrgenommen werden?

Bei einem Treffen der beiden Projektgruppen wurden viele Ideen ausgetauscht und Projektziele formuliert: Unsicherheiten des Verkaufspersonals untersuchen, erklären und abbauen.

Die Klasse der angehenden Einzelhändler erstellte dafür einen umfangreichen Beobachtungsauftrag, der gemeinsam mit den Liboriusschülerinnen und -schülern bei einem Besuch im Südring Center Paderborn durchgeführt und im Anschluss ausgewertet wurde. Die Schülerinnen und Schüler des LEBKs stellten sich dann der Herausforderung, eine schulinterne Schulung für Mitschülerinnen und Mitschüler der Parallelklassen zu erarbeiten, die darauf zielte, Vorurteile und Unsicherheiten der angehenden Verkäuferinnen und Verkäufer abzubauen.

Fazit:

Deutlich hat sich bisher eines gezeigt: Aufeinandertreffen, gemeinsam agieren, lernen und arbeiten räumt Unsicherheiten gegenüber Menschen mit einer Behinderung aus dem Weg. Das Projekt „Einkaufen mit Handicap in Paderborn“ zeigt, wie Inklusion in der Schule funktionieren kann und Empathie geschaffen wird. Während des Besuchs in der Liboriusschule wurden beispielsweise verschiedene Gehhilfen und andere Hilfs- und Therapiegeräte aus dem dortigen Schulinventar nicht nur vorgestellt, sondern darüber hinaus auch zum „Ausprobieren“ angeboten.

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