19. Jahrhundert: "Sonntagsschule" In der "Schulstadt Büren" symbolisiert das Gebäude an der Almestraße für Generationen Bürener Bürger die berufliche Bildung, die in Büren erstmals 1853 durch die Einrichtung einer so genannte Handwerks-Sonntagsschule erwähnt wird. Zwei Stunden wöchentlich wurden handwerkliches Zeichnen und Berufskunde unterrichtet. Der Schulbesuch war freiwillig. 22-24 Gesellen und Lehrlinge nahmen am Unterricht teil.
1904: Gründung der Fortbildungsschule Nach einem am 23. Juli 1904 erlassenem Ortsstatut wurden alle gewerblichen Lehrlinge zum Schulbesuch verpflichtet. Die Schule wurde unter dem Namen "Fortbildungsschule" geführt. Die Zahl der Unterrichtsstunden erhöhte sich bis dahin auf 6 Wochenstunden, die an zwei Abenden und am Sonntag abgehalten wurden. 1924 wurde durch eine Änderung der Ortssatzung die Schulpflicht auf die kaufmännischen Lehrlinge ausgedehnt. 1926 kam eine Klasse für Hilfsarbeit hinzu. Die Zahl der Schüler wuchs von 53 Schülern 1904 bis auf 140 Schüler 1928.
Ehemalige Landwirtschaftsschule in Lichtenau
1938: Gründung der Kreisberufsschule Die Gründung der Kreisberufsschule Büren erfolgte durch einen Beschluss des Kreistages am 01.April 1938. Außer in Büren hatte die Schule Nebenstellen in Salzkotten, Westheim und Lichtenau. Die Schulstatistik weist 1943 insgesamt 531 Schüler in 25 Klassen aus. Unterrichtet wurden die Schülerinnen und Schüler von 2 hauptamtlichen, 6 nebenamtlichen und 3 nebenberuflichen Lehrkräften. Die Schule wurde mit dem Zusammenbruch des Dritten Reiches geschlossen und durch Genehmigung der Militärregierung am 6. Mai 1946 wieder eröffnet.
Ehemalige Kreisberufsschule in Salzkotten im Jahre 1951
1949: Zweijährige Handelsschule Der erste Vollzeitbildungsgang wurde Ostern 1949 durch Einrichtung der zweijährigen Handelsschule installiert. Der erste Entlassjahrgang legte 1951 seine Prüfung ab. Dieser Bildungsgang wird noch heute an der Schule geführt.
50er Jahre: Wachstum und Neubau In den 50er Jahren hatte die Schule ein rasantes Wachstum zu verzeichnen. Umfangreiche Neubauten in Salzkotten und in Büren waren die Folge. Im Konferenzprotokoll ist dazu vermerkt: "Die hellen, freundlichen Räume, wie Klassenzimmer, Werkraum, Küche, Essraum, Nadelarbeits-, Säuglings- und Krankenpflegezimmer und Waschküche zeigten eine bis ins Kleinste gut durchdachte Einrichtung und fanden in ihrer sinnvollen Anordnung sowie ihrer Zweckmäßigkeit und Schönheit die volle Anerkennung und Bewunderung des gesamten Kollegiums." Im Juli 1954 erreichte die Schülerzahl an allen Standorten zusammen den Höchststand von 2217 Schülerinnen und Schülern. Die Schülerzahl war ab da rückläufig. Im Jahr 1955 weist die Schulstatistik 2092 Schüler in 85 Klassen mit einer Durchschnittsfrequenz von 25,5 Schülern je Klasse aus.
Foyer des Neubaus der Bürener Berufsschule, Foto aus den 50er Jahren
Landschulheim in der Wewelsburg 1956/57 wurden die Nebenstellen Lichtenau und Westheim nach Büren verlegt. Gleichzeitig wurde per Kreistagsbeschluss vom August 1955 in jedem Amtsbezirk für landwirtschaftliche Lehrlinge eine Berufsschule eingeführt. Im Einzelnen waren dies die Orte Atteln, Lichtenau und Fürstenberg. Ab 1957 unterhielt die Schule für einige Jahre ein eigenes Landschulheim in der Wewelsburg. Die Schulklassen hielten sich dort jeweils für die Dauer einer Woche auf und wurden vormittags in Bürgerkunde und Sport unterrichtet. Nachmittags erteilten die Klassenlehrer Fachunterricht. Nach jedem Landschulheimaufenthalt fiel anschließend für 5 Wochen der Berufsschulunterricht aus.
Die Außenansicht des Eingangsbereichs
60er Jahre: Strukturwandel Die sechziger Jahre waren durch einen raschen Strukturwandel und stark schwankende Schülerzahlen gekennzeichnet. Die Zahl der landwirtschaftlichen und zum Teil der handwerklichen Lehrlinge war stark rückläufig. 1969 bzw. 1971 wurden die Nebenschulorte in Atteln, Lichtenau und Fürstenberg mit den landwirtschaftlichen Berufsschulklassen aufgegeben und nach Büren verlegt. In den Metallberufen und bei den kaufmännischen Lehrlingen war ein deutliches Anwachsen der Schülerzahlen zu vermerken.
Weitere Außenansicht der Bürener Berufsschule
70er Jahre: Aufwertung der beruflichen Bildung Die 60er und 70er Jahre war die Zeit, in der die berufliche Bildung eine enorme Aufwertung erfuhr. Angestrebt wurde die Gleichwertigkeit von beruflicher und allgemeiner Bildung. Es entstand der so genannte 2. Bildungsweg. Bildungsgänge zur Erlangung der Fachhochschulreife gewannen zunehmend an Bedeutung. In Büren wurde die erste „Berufsaufbauschule“ eingerichtet. Nach 3 Semestern legten dort 1961 die ersten Schüler ihr Examen ab, das zum Studium an der Ingenieurschule berechtigte. Die Berufsaufbauschule wurde 1968 in die neu eingerichtete Fachoberschule umgewandelt. 1972 wurde in Büren und Salzkotten die Höhere Handelsschule eingerichtet. 1972 weist die Schulstatistik 1.124 Schülerinnen und Schüler in der Berufsschule und 398 Schülerinnen und Schüler in den Berufsfachschulen auf.
70er und 80er Jahre: Einrichtung von Fachräumen 1976 wurde Am Bühl ein hochmodernes Schulgebäude für den gewerblichen Teil der Schule errichtet. Neben zeitgemäßen Fachräumen für Physik und Chemie trugen Werkstätten für Holz-, Metall- und Elektroberufe, ausgestattet mit modernster Technik, zur Verbesserung der theoretischen und praktischen Ausbildung bei. Seit 1981 wurde die Schule sukzessive mit EDV-Anlagen ausgestattet. Der erste komplette EDV-Raum wurde 1985 eingerichtet. Die Schule in Büren war anschließend 13 Jahre Fortbildungsstützpunkt für EDV-Anwendungen im Regierungsbezirk Detmold.
1985 Bis Mitte der achtziger Jahre blieb die Schülerzahl in etwa konstant. So wurden 1985 1.459 Schülerinnen und Schüler von 62 Lehrkräften unterrichtet. Der Strukturwandel setzte sich aber weiter fort. Der Anteil der Berufsschüler betrug nur noch 788. Die Berufsfachschulen hatten ihren Anteil zwischenzeitlich auf 671 Schülerinnen und Schüler erhöht.
1992: Auflösung der Kreisberufsschule Büren Anfang der neunziger Jahre war die Schülerzahl auf insgesamt 681 zurückgegangen. Besondere Probleme bereitete dabei die heterogene Struktur der Schule. Als so genannte Bündelschule verteilten sich die Schüler auf die gewerbliche, hauswirtschaftliche und kaufmännische Abteilung. Nach einer ebenso intensiven wie heftigen politischen Auseinandersetzung wurde die Kreisberufsschule Büren 1992 aufgelöst. Die gewerbliche Abteilung wurde dem Richard von Weizsäcker Berufskolleg Paderborn und die kaufmännische Abteilung dem Ludwig-Erhard-Berufskolleg Paderborn zugeordnet. Beide Abteilungen bestehen nach wie vor in Büren als Nebenstellen der genannten Schulen. Die Schülerzahlen im kaufmännischen Bereich haben sich stabilisiert. Mit zur Zeit 450 Schülerinnen und Schülern ist das Gebäude an der Almestraße voll ausgelastet. Der zu Beginn der fünfziger Jahre einsetzende Strukturwandel in Richtung Vollzeitschule hat sich fortgesetzt. Heute dominiert der Anteil der Vollzeitschüler in den Klassen der Berufsfachschulen mit 336 Schülern gegenüber den 114 Berufsschülern.
2004 50 Jahre nach dem Richtfest am 10.12.1954, im Schuljahr 2004/2005, wurde das Schulgebäude in Büren umfassend renoviert. Dabei war man bemüht, den Charakter des Gebäudes möglichst zu erhalten.